Spielzeit 2018/2019 | 70 Jahre Vaganten

Michael Kohlhaas, Foto: Manuel Graubner

 

 

Liebe Freunde und Besucher der Vaganten Bühne,

wann wird man 70? Richtig, nach 69 Jahren, 364 Tagen und 24 Stunden. Der Countdown läuft. Am 9. Februar 2019 also ist es soweit – mitten in der Spielzeit 2018/2019. Ein Grund zum Feiern? Auf jeden Fall.

Die Jubiläumssaison hat ein facettenreiches Programm zu bieten, das vom historischen Klassiker über eine Politrevue bis hin zur Bühnenadaption von Gegenwartsliteratur reicht.

Gestartet wird am 6. September mit Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“: In einem rasanten Kammerspiel bringt Lars Georg Vogel den Paradetext über das aus dem Gleichgewicht geratene Verhältnis von Anarchie und Ordnung auf die Bühne. Die Männergeschichte wird von vier Frauen gespielt, die hochsensibel die Grenzen individuellen Rechtsgefühls ausloten.

Menschen im Hotel, Foto: Ella Privorozki

 

Wieder auf dem Programm stehen ab September unter anderem die bitterböse Groteske „Der Nazi & der Friseur“ von Edgar Hilsenrath sowie „Menschen im Hotel“, worin das Publikum auf eine Tour von der Vaganten Bühne ins benachbarte Hotel Savoy mitgenommen wird. Die Zuschauer werden zu Komplizen, Gesprächspartnern und heimlichen Beobachtern der Figuren aus Vicki Baums Berlinroman der Zwanziger Jahre.

Aus Anlass der 1938 von den Nazis entfachten Pogrome veranstaltet am 9. und 10. November Sabra Lopes „Mascha – ein Liederabend in Himmelgrau“, in dessen Zentrum die Dichterin Mascha Kaléko steht. Deren zwischen zarter Ironie und Melancholie changierende Texte erklingen in einer Vertonung von Rainer Bielfeldt.

Mit „Ruhm“ von Daniel Kehlmann feiert am 27. November eine Romanadaption Premiere bei den Vaganten. Kehlmanns Vexierspiel aus Schein und Wirklichkeit, aus sich überlagernden Fiktionsebenen und meisterhaften dramaturgischen Schachzügen wird von Hajo Förster inszeniert.

Shakespeares sämtliche Werke, Foto: Thorsten Wulff

 

An Josef Hader kommt man dieser Tage nicht mehr vorbei. Folgerichtig wird am 26. Februar 2019 „Indien“ Premiere haben, ein Bühnenstück, das er zusammen mit Alfred Dorfer geschrieben hat. Die Reise, die die Helden von „Indien“ unternehmen, fällt kleiner aus, als der Titel des Schauspiels zunächst vermuten lässt: Thematisiert wird ein grotesk-biederer Roadtrip durch die niederösterreichische Provinz von zwei Männern, die im Auftrag des Tourismusverbandes Schnitzel in Landgasthöfen testen und dabei eine tragisch-komische Männerfreundschaft entwickeln.

Neben weiter angebotenen Produktionen aus früheren Spielzeiten, wie dem Bühnenspaß „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“, dem ergreifenden Politdrama „The Who and the What“ von A. Akhtar, „Der Untertan“ nach Henrich Manns Roman über die deutsche Seele, der Boulevard-Parodie „Tour de Farce“, Yasmina Rezas witzig-hintersinniger Versuchsanordnung „Drei Mal Leben“ oder dem monatlichen Ausflug ins literarische Berlin mit Reinhard Scheunemann, soll zu guter Letzt gefeiert werden.

Dafür bereitet Bettina Rehm eine Revue vor, die von Deutschlands und Berlins wechselvoller Geschichte der vergangenen sieben Jahrzehnte inspiriert wird, und auch die ebenso wechselvolle Geschichte eines kleinen Berliner Theaters zum Gegenstand hat, das, wie eingangs beschrieben, im Frühjahr 2019 siebzig wird: die Vaganten Bühne.

Wir freuen uns auf die neue Spielzeit mit Ihnen!

Herzlichst
Ihr Jens-Peter Behrend