Spielzeit 2019/2020

  

Liebes Publikum,

mit Fug und Recht darf man behaupten, dass die Vaganten in den letzten Jahren in jeder Hinsicht zugelegt haben: Das Repertoire ist so umfangreich wie nie zuvor, die Kritiken sind hervorragend und viele Vorstellungen ausverkauft.

Die neue Spielzeit nun wird eine besondere: Ein Wechsel in der Leitung der Vaganten steht bevor. Dieser findet zum Jahresbeginn 2020 statt. Bis zur Inauguration des zukünftigen Intendanten Lars Georg Vogel bleibt Jens-Peter Behrend in der Verantwortung. Der Spielplan 2019/2020 trägt also die Züge von gemeinsamen Entscheidungen, die im ersten Teil naturgemäß mehr vom alten, im zweiten dann stärker vom neuen Leiter geprägt sind. Und nicht wenige Produktionen des bisherigen Repertoires bleiben dem Spielplan erhalten.

Hiob, Foto: Laurin Gutwin

HIOB von Joseph Roth | 13. September 2019
Die erste Premiere am 13. September 2019 ist ganz bewusst wie ein Echo aus der Gründungsphilosophie der Vaganten vor 70 Jahren. Damals, 1949, ging es um ethische und religiöse Grundfragen angesichts eines zerstörten Landes. Die gleichen Fragen kann man sich in einer veränderten Welt heute erneut stellen. Die Matrix dazu wird HIOB nach Joseph Roths Roman liefern, eingerichtet für die Bühne und inszeniert von der in Berlin lebenden und aus Bosnien stammenden Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović.
Man muss nicht jüdischen Glaubens sein, man kann auch einer anderen Religion angehören, um sich der Streitfrage zu stellen: Ist Gott gut? Ist er gerecht? Und ist er wirklich allmächtig? Und wenn ja – wie kann dieser Gott dann soviel Leid und Ungerechtigkeit über die Menschen bringen?
Das ist die Frage aller Fragen, die den Helden der Geschichte, Mendel Singer, bewegt, quält und an den Rand des Wahnsinns treibt. Er verliert alles, was ihm im Leben lieb ist, seine Heimat, zwei seiner Söhne, seine Frau, seine Tochter und schließlich sein Vertrauen in die Kraft des Göttlichen. Eine Leidensgeschichte ohne Ende, so scheint es. Dann aber findet er seinen jüngsten Sohn, den er krank und ohne Aussicht auf ein normales Leben in der alten Welt zurückgelassen hatte, in Amerika wieder. Ein wohlhabender, gesunder Mann ist aus ihm geworden, der es seinem Vater ermöglicht, sein Leben in Frieden und versöhnt mit Gott zu beschließen. Dieses Gleichnis vom Leben auf die kleine Bühne der Vaganten zu bringen, ist eine Herausforderung, der sich das Theater nunmehr in seiner 71. Spielzeit stellt.

Menschen im Hotel, Foto: Ella Privorozki

Einer der großen Erfolge der Vaganten ist seit fünf Jahren MENSCHEN IM HOTEL nach Vicki Baums Roman. Immer sonntags auf dem Programm, wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Hotel Savoy in der Fasanenstraße durchgeführt. Es wurde notwendig, die Produktion neu zu besetzen und den Ablauf neuen technischen Erfordernissen anzupassen. Das war Anlass, die Inszenierung einer Revision zu unterziehen. Die überarbeitete Bühnenfassung, die weiterhin als Parcours bei den Vaganten beginnt, in den Zimmern des Hotel Savoy fortgesetzt wird, um über den Dächern von Berlin beendet zu werden, wird am 6. Oktober 2019 erstmals gespielt werden. Jeden Sonntag bis Ende des Jahres steht dann MENSCHEN IM HOTEL weiterhin auf dem Spielplan. 

LEHMAN BROTHERS von Stefano Massini | 7. Januar 2020
Mit Beginn des neuen Jahres kommt in der Regie von Lars Georg Vogel LEHMAN BROTHERS aufs Programm. Der italienische Dramatiker Stefano Massini hat ein großes Versepos über die Geschichte der jüdischen Gebrüder Lehmann geschrieben, die im 19. Jahrhundert nach Amerika emigrierten, dort zu unermesslichem Reichtum gelangten und mit ihrem Bankenkonsortium die Finanzwelt jahrzehntelang regierten.

Ruhm, Foto: Manuel Graubner

Als dieses vor wenigen Jahren in die Insolvenz ging, löste das eine Krise aus, von der sich die Weltwirtschaft noch heute erholen muss. Das Unternehmen „Lehman Brothers“ wurde zum Symbol dieser Katastrophe. Ist es bei HIOB die Frage nach der Allmacht Gottes, ist es hier die Frage nach der Allmacht des Kapitals, die gestellt wird. Der Abend verspricht, eine spannende Auseinandersetzung zu liefern.

 

DIE OPFERUNG VON GORGE MASTROMAS von Dennis Kelly | 20. April 2020
Vor einigen Jahren spielten die Vaganten, von der Presse hochgelobt und unter großem Zuspruch des Publikums, das Stück WAISEN des britischen Autors Dennis Kelly. Inzwischen ist er ein bekannter Bühnenautor, der sich brennenden Problemen der Gegenwart stellt.
Mit DIE OPFERUNG VON GORGE MASTROMAS unter der Regie von Bettina Rehm wird das Publikum Zeuge des Aufstiegs eines durchschnittlichen Menschen, der nach und nach alle moralischen Skrupel über Bord wirft, um seine Ziele zu erreichen. Dabei muss er nicht einmal wie Goethes Faust seine Seele hergeben. Denn wer sollte diese in einer materialistischen Welt wie der unseren kaufen wollen?

Spreeperlen, Foto: Manuel Graubner

Vier Produktionen, die es in sich haben. Noch aber ist offen, ob nicht noch ein weiteres Projekt hinzukommt. Pläne gibt es dazu einige. Auf jeden Fall werden Yasmina Rezas DREI MAL LEBEN oder RUHM nach Daniel Kehlmanns Roman ebenso wenig vom Spielplan verbannt wie Hilsenraths DER NAZI & DER FRISEUR. Erhalten bleibt außerdem die wunderbare kleine Berlin-Revue mit dem Titel SPREEPERLEN sowie das Stück, das mit den Vaganten seit über zwei Jahrzehnten und mehr als 1500 Vorstellungen untrennbar verbunden ist: SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE – LEICHT GEKÜRZT. 

Kommen Sie uns besuchen. Wir freuen uns, Sie begrüßen zu dürfen.

Herzlichst
Jens-Peter Behrend und Lars Georg Vogel

WEITERHIN IM REPERTOIRE

AFZALS TOCHTER von Ayad AktharDER NAZI & DER FRISEUR von Edgar HilsenrathDER UNTERTAN von Heinrich Mann DREI MAL LEBEN von Yasmina RezaINDIEN von Josef Hader/Alfred Dorfer MENSCHEN IM HOTEL von Vicki Baum MICHAEL KOHLHAAS von Heinrich von Kleist • MONTAGSLESUNG mit Reinhard Scheunemann RUHM von Daniel KehlmannSHAKESPEARES SÄMTL. WERKE von A. Long u. a.SPREEPERLEN Eine Berlin-Revue

x

Theaterferien

Vom 15. Juli bis zum 25. August befindet sich die Vaganten Bühne in der Sommerpause.

Die Theaterkasse ist ab 26. und 27. August von 10 bis 15 Uhr wieder für Sie geöffnet, ab dem 28. August gelten unsere regulären Öffnungszeiten.

Die Vaganten Bühne wünscht einen schönen Sommer!