Hinter den Kulissen
Annemie Twardawa (AT) im Gespräch mit Dramaturgin Daniela Guse (DG):
DG: Was macht für dich das Besondere im Zusammenspiel von Puppen- und Schauspiel aus?
AT: Das Besondere am Puppenspiel ist, dass es viele zusätzliche Theatermittel auf der Bühne eröffnet, die man beim Schauspiel oft nicht in der Bandbreite sieht. Am Zusammenspiel zwischen Schauspiel und Puppenspiel ist toll, dass die Auseinandersetzung mit dem Stoff während der Proben intensiver ist. Beim reinen Puppenspiel passiert das auch, aber eher im Vorfeld, wenn die Puppenform und die Stückauswahl festgelegt werden. Aber inhaltlich zu forschen, wie unsere drei Körper und das vorhandene Material auf der Bühne etwas Metaphorisches erzählen kann, finde ich toll und besonders in diesem Zusammenspiel.
Besonders ist auch, dass Menschen auf der Bühne stehen, denen man durch das Puppenspiel ermöglichen kann, eine andere persönliche Ebene zu zeigen.
DG: Wie wird Puppenspiel in Blutbuch eingesetzt?
AT: Einerseits gibt es konkret die Figur der Großmeer, die als Puppenkopf, aber ohne Körper auf der Bühne ist. Wir geben ihr verschiedene Formen von Körpern, entweder zu dritt oder auch mit Material. Sie ist dadurch nicht real auf der Bühne, sondern eher fragmentarisch in unserer Erinnerung und auch ihr Kopf ist eine Mischung aus alter Frau, Material, Erinnerung. Sie ist eine Klappmaulpuppe, die auch auf der Bühne spricht.
Andererseits haben wir verschiedene Objekte, die die Geschichten erzählen. Es ist sehr fluide, wie die Spieler:innen mit dem Material und den Objekten umgehen. An gewissen Punkten bekommen sie mehr Leben und sind nicht mehr bloß Requisiten oder Teile des Bühnenbildes. Wir erzählen generell viel über Bilder. Die Objekte und das Puppenspiel fügen sich in diese Erzählform ein.
DG: Du hast die Puppe der Großmeer selbst gebaut. Was hat dich in dem Prozess inspiriert? Welche Überlegungen sind in den Puppenbau eingeflossen?
AT: Das Bühnenbildkonzept kommt von Clara Wanke, die den Kosmos der Großmeer und der Erinnerung an die Großmeer angelegt hat. Sie hatte die Idee, auch den Kopf der Großmeer aus diesem Kosmos aus Strumpfhosenmaterial, Nadeln, Wolle und Stoff herzustellen und hat dann zur Inspiration ein paar tolle Bilder geschickt. Auch die Idee die Geschichte als finsteres Märchen zu erzählen hat mich inspiriert.
Ich fand es toll mit diesem Stoff zu arbeiten, der mich auch überrascht hat beim Bauen. Ich hatte die Grundform von Kopf und Augen und habe dann geschaut wie der Stoff fällt, wie bestimmte Falten fallen. Wenn man die Strumpfhose mit Nadeln an bestimmten Stellen feststeckt, hat die Großmeer plötzlich einen deutlich finstereren Ausdruck. Wenn man die Nadeln ein Stück nach unten zieht, sieht sie fröhlicher aus. Das war eine tolle Materialrecherche.