Eines Nachts trifft Goljadkin auf einen Fremden, der ihm sehr bekannt vorkommt: Er ist sein Doppelgänger. Als ihm dieser am nächsten Tag als neuer Sitznachbar im Büro zu geteilt wird, scheint außer ihm keiner die Ähnlichkeiten zwischen den beiden zu erkennen. Vielmehr ist es so, dass sich der Doppelgänger sofort einer Beliebtheit bei Kollegen und Vorgesetzten erfreut, von der Goljadkin jahrelang geträumt hat. Die Angst, vollständig von seiner Kopie ersetzt zu werden, frisst sich von Tag zu Tag tiefer in Goljadkins Gedanken. Seine Identität verwischt immer mehr – Ist er Goljadkin oder der Andere? – bis einer der beiden in die Psychiatrie gebracht wird. Das Original oder die Nachahmung?
Dostojewski ist 25 Jahre alt, als „Der Doppelgänger“ erscheint. War bisher die 20 Jahre ältere, überarbeitete Version des Romans bekannt, wurde die Urfassung kürzlich neu übersetzt. Alexander Nitzberg bewahrt in seiner Neuübersetzung die surreale Komik des jungen Dostojewski, ein Grund weshalb Theaterautor Clemens Mädge sie als Grundlage für seine Fassung an der Vagantenbühne wählt. Mädge stellt mit DOPPELGÄNGER das „ungenügende“ Individuum und den gekränkten Narzissmus des Einzelnen ins Zentrum. Ein Motiv, das so zeitlos wie aktuell ist. Besonders in unserer durchdigitalisierten Welt haben wir ständig die Möglichkeit, durch Weglassen oder Hinzufügen von Details, eine andere Version unseres Selbst zu erzeugen. Aber wann wird die Jagd auf unser „besseres“ Ich zu einer Flucht vor uns selbst?