Schauspiel von Suzie Miller
Deutsch von Anne Rabe
++ Am 30.04. findet im Anschluss an die Vorstellung ein Publikumsgespräch im Saal statt. ++
++ Am 12.06. findet im Anschluss an die Vorstellung ein Publikumsgespräch mit Sarah Kimpel von Lara e. V. - Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen*, trans*, inter* und nicht-binären Personen, statt. ++
Gesetze wurden von Männern gemacht, um Männer zu schützen. Prima Facie ist ein starker Abend, der zeigt, wie wichtig es ist endlich Frauen eine Stimme zu geben.
Tessa Ensler ist erfolgreiche Strafrechtsanwältin, deren Glaube an die Gerechtigkeit des bestehenden Rechtssystems unerschütterlich ist. Wenn sie ein Opfer sexualisierter Gewalt im Kreuzverhör auseinandernimmt, ist das für sie schlicht ein Sieg über die Staatsanwaltschaft, die eben nicht gut gearbeitet hat. Als Tessa eine Affäre mit ihrem Arbeitskollegen Julien beginnt, erfährt sie auf schmerzhafte Weise, was es bedeutet, die Betroffene zu sein. Sie sitzt plötzlich selbst im Kreuzverhör und muss am eigenen Leib spüren, dass das System alles andere als gerecht ist. Statt die Opfer zu schützen, schützt es die Täter.
Suzie Miller ist selbst Juristin und hat mit Prima Facie einen eindringlichen Monolog für die Bühne geschrieben, der einen tiefen Einblick in die Mechanismen der Justiz gibt und zeigt, wie gesellschaftliche Konventionen dazu führen, dass Opfer sexueller Gewalt nicht geschützt werden.
Gisèle Pelicots berühmte Forderung “Die Scham muss die Seite wechseln”, kondensiert das grundsätzliche Problem: Das Hinterfragen der Opfer, die erst beweisen müssen, dass sie den Sex wirklich nicht wollten, dass sie nicht ausdrücklich “Nein” gesagt haben. Prima Facie greift dieses Problem auf. Nicht die Opfer sollten beweisen müssen, was ihnen widerfahren ist, sondern die Täter die Gegenbeweise erbringen.
Mit Prima Facie gelang Suzie Miller ein weltweiter Erfolg. Das Stück wurde unter anderem 2020 mit Australian Writers Guild Award for Drama sowie dem prestigeträchtigen Major Australian Writers Guild Award ausgezeichnet. 2023 erhielt das Stück mit dem Laurence-Olivier-Award den wichtigsten Theaterpreis Großbritanniens. Auch an deutschen Bühnen wurde Prima Facie mehrfach inszeniert. 2025 erschien Suzie Millers gleichnamiger Roman, in dem sie weiteres Recherchematerial verarbeitet hat.
TW: Die Inszenierung verhandelt das Thema sexualisierte Gewalt und schildert einen Übergriff aus der Perspektive der betroffenen Person.
Mit: Mirjam Smejkal
Regie: Bettina Rehm
Bühne und Kostüme: Lars Georg Vogel
Sounddesign: Fyn Grajetzky
Dramaturgie: Daniela Guse
Regieassistenz: Alexander Schatte
Regiehospitanz: Simon Borkenhagen
Licht: Janis Willhausen, Frederik Wohlfarth
Dauer: ca. 90 Minuten (keine Pause)
"In der Vagantenbühne legt nun Bettina Rehm eine aufwühlende und zum intensiven Nachdenken anregende Inszenierung vor. [...] Dass es selten plakativ zugeht, ist eine der Stärken des Abends. [...] Gegen Ende entwickelt der Monolog aus dem Kreuzverhör ein flammendes Plädoyer."