Hinter den Kulissen
Schauspieler Paul Walther im Gespräch mit Dramaturgin Daniela Guse
DG: Was erwartet das Publikum in Späti Paradies?
PW: Der Späti Paradies ist ein Sinnbild, ein Modell für einen Ort, wo Menschen aufeinandertreffen, die sich brauchen. So verstehe ich den Späti zum jetzigen Zeitpunkt der Proben. Ein Ort, der Geborgenheit bietet, an dem die Menschen ihre Probleme thematisieren können, wo man sich umeinander kümmert. Ich hoffe, dass jeder so einen Ort hat. Das Theater ist im Prinzip auch im besten Falle so ein Ort.
DG: Was macht es für dich besonders den Spätibesitzer Andi zu spielen?
PW: Es ist eine Herausforderung, weil Andi zwar als Figur die ganze Zeit auf der Bühne ist, aber dabei eher Zuhörer und für die anderen der Anker ist. Ihn fragen die Leute um Rat, dabei hat er selbst ein großes Problem. Als Spieler höre ich also auch viel zu, habe wenig Text. Ich schiebe die Handlung eher an, damit dann auf der Ebene der anderen Figuren viel passiert. Andi ist der Mittelpunkt des Geschehens, aber auch der Ruhepol. Er kann gut Ratschläge geben, aber sie selbst schlecht beherzigen. Aber so geht es mir ja auch (lacht). Das macht es spannend. Er ist eine coole Figur, ein Sympathieträger. Jemand, an den sich alle gern wenden. Ein beliebter Mensch.
DG: Hast du einen Lieblingsspäti in Berlin? Bzw. hattest, du lebst ja nicht mehr hier.
PW: Ich habe am Görlitzer Park gewohnt. Da hatte ich einen. Es war kein Späti im eigentlichen Sinne, sondern ein Getränkemarkt. Aber der hatte auch alles Mögliche. Der war unten in meinem Haus drin. Ali war dort der Chef. Bei ihm war immer die Post. Und es gab immer was zu quatschen, wenn ich bei ihm war. Als meine Kinder geboren wurden hat er uns sogar diesen türkischen Schmuck mit dem Auge geschenkt, der den bösen Blick abwenden soll.